Zwei für eins

Der Nachklang des Gespräches dringt doppeltönend monoton an den Rand seines Bewusstseins. Er ist nicht vorbereitet. Morsesignale durch dichten Nebel. Und während er den Hörer langsam zurück legt beginnt er, seine Möglichkeiten abzuwägen.

Vieles hat sich nicht verändert, seit er zuletzt hier war. Der Rauputz ist rissiger geworden. Wie die Haut seiner Mutter, bevor sie starb. Helle Flecken an den Wänden, wo einst Bilder von ihm hingen, bevor der Vater sie verbrannte. Es war ein zähes Ringen gewesen. „Bildung ist für die anderen. – Du nimmst den Hof!“ Erst als die Mutter sich den Pflichten verweigerte, ließ er den einzigen Sohn Abitur machen in der Stadt. Im Sommer kam er zurück zum Helfen. Und im Heu traf er sie wieder, die Kleine aus der Grundschule damals. Sie fickte ihn um den Verstand, ohne dass sie viel sprachen. Und als er dachte, sie gezähmt zu haben, die Wilde, fand er sie, als sie es seiner Schwester besorgte. Von da an kam er nie wieder, und die Wilde nahm den Sohn des Nachbarn zum Mann. Der hatte nur Hauptschule, aber den Hof. Bei der Hochzeit war sie schon schwanger. Keiner wusste von wem. Zwei für eins. Die Bilder von ihr hatte der Vater gelassen.

Er war ein guter Schüler gewesen. Immer ein wenig außen vor, keiner von denen aus der Stadt. Aber es machte ihm nichts aus. Im Gegenteil. Er studierte und wurde Risikoanalytiker bei einer großen Bank. Der Vater hatte investieren wollen, um gegen den Großbetrieb des Nachbarn bestehen zu können. Die Zahlen sprachen dagegen. Der junge Mann von der Bank trank Kaffee, aß vom Selbstgeschlachteten, und redete über eine Stunde, um Nein zu sagen. Der Vater jagte ihn vom Hof, ging in den Stall, und nahm sich mit dem Bolzenschußgerät das Leben. Genug Zeit verschwendet.

Das Vieh schreit. Langsam geht er hinüber. Seine Kindheit war glücklich gewesen, solange er auf den Wiesen und im Wald sein konnte. Als er die schwere Tür öffnet weiß er, dass es keine Option gibt für ihn. Dieser beißende Gestank nach Pisse und Blut. Sein Atem stockt. Scheiße. Ihm wird übel.

Der Großbauer lungert herum. Nachdem er sich vor ihm ausgekotzt hat, vermacht er ihm den Hof. Geld will er keines dafür. Nur das Versprechen, das Vieh glücklich sein zu lassen auf den Weiden. Der andere zögert, aber er kann nicht an gegen seine Gier. Ein Handschlag reicht.

Auf dem Weg zurück ist er erleichtert. Seit Tagen spürt er wieder Hunger. Er macht Rast und bestellt sich Burger. Zwei für Eins.

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