Fast Food

Letztens landete ich letztlich in einer dieser Institutionen für schnelles Essen. Der schnelle Hunger trieb mich. Seit längerem war ich wohl nicht mehr hier gewesen. Bereits beim überschreiten der Schwelle stellte ich fest, dass die Kaffeelounge abgeschafft worden war. Also kein Kaffee mehr. Für den Moment zumindest. Als ich mich dem Empfangstresen nähern wollte, versperrte mir ein uniformiertes Fräulein den Weg und gestikulierte in Richtung großer, digitaler Tafeln. „Bestellen!“. Da ich, meinen Eltern sei Dank, zu einem selbständig denkenden Menschen erzogen wurde, neige ich seit je her dazu, Befehle zu hinterfragen und, im Falle von Sinnlosigkeit, zu verweigern. Zudem trägt sie zwar Uniform, ich jedoch zivil. So verweilt mein Blick für einen kurzen Moment bei der jungen Frau mit zwei Kindern, die sich durch die intuitive Menüführung kämpft. Hübsch. Und merklich entnervt. Noch freundlich sage ich zur Fooditesse: „Ja, danke, ich möchte etwas bestellen.“. Ihr Arm schnellt erneut in Richtung der Displays „Bestellen!“. Mein Hunger droht, sich auf Kollisionskurs zu begeben. Nach mehrmaliger Wiederholung meines Anliegens begibt sie sich hinter den Tresen um meine Bestellung aufzunehmen. Und jetzt verstehe ich, dass sie nicht versteht. Abgesehen von den Namen der verschiedenen Fleischgerichte zwischen zwei Weichmehlbrötchenhälften. Gegen Geld bekomme ich eine Nummer.

Wie gerne hätte ich mich erklärt. Ausnahmsweise. Verehrte Marketingexperten, die ihr auf internationalem Parkett um die Verbesserung unserer Welt ringt. Hört auf damit. Wir verbringen schon zu viel Zeit unseres Arbeitsalltags vor dem PC. Um Emails zu lesen und zu verfassen. Um Telefonkonferenzen beizuwohnen. Um unsere Kundendateien zu pflegen auf Kosten wertvoller Gespräche miteinander. Wir managen unsere Termine und Tagesabläufe mit Apps auf Smartphones, wischen nach links, wischen nach rechts, auf der Suche nach Inhalten. Auf Kosten empathischer Kommunikation. Kommunikation macht uns menschlich. Und wir Menschen brauchen jemanden, der uns zuhört. Und sei es nur, um eine Bestellung entgegen zu nehmen. Ab und zu ein kleines Lächeln, auch ohne Nummer.

– Lebenswert.

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